Obwohl der Ligabetrieb in vielen europäischen Ligen gerade erst wieder losgegangen ist, gibt es dennoch ein Thema, das den Start der sportlichen Wettbewerbe überschattet. Der Fußball und das liebe Geld - dabei lassen die astronomischen Höhen in die diese „Liebesbeziehung“ fortschreitet aufhorchen und sorgt bei Fußball-Fans sowie mittlerweile ebenfalls bei vielen der Funktionären für mehr als nur Stirnrunzeln. Vordergründing geraten im Moment allerdings nicht die Spielergehälter, sondern die Transfersummen für die die Spieler von einem Verein zum anderen wechseln in den Blick.

Der große Paukenschlag in diesem Sommer war natürlich der Transfer von Neymar, dieser wurde von seinem bisherigen Arbeitgeber FC Barcelona losgeeist um in der neuen Saison für den französischen Meister Paris Saint-Germain zu kicken, die kolportierte Ablösesumme: sagenhafte 222 Millionen Euro! Damit wurde der Brasilianer auf einen Schlag zum teuersten Spieler aller Zeiten und übertrifft um mehr als das doppelte die damalige Ablöse von Cristiano Ronaldo (94 Mio. €). Sogar der Mann an dem er in Barcelona nicht vorbeikam Lionel Messi, liegt mit einem geschätzten Marktwert von 120 Mio. € nun deutlich hinter Neymar, ganz davon abgesehen, dass viele Rekordtransfers der jüngeren Vergangenheit (Gareth Bale, Paul Pogba) im Vergleich geradezu verblassen. Unweigerlich stellt sich natürlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Geschäfts und welche Implikationen dies für den gesamten Fußball - von den Profis bis in den Amateur-Bereich - haben könnte. Zum einen ist Neymar erst 25 Jahre alt und steuert im Vergleich zu Ronaldo und Messi erst noch auf den Höhepunkt seiner Karriere zu, während die beiden derzeitigen Top-Stars ihren Zenit langsam überschreiten und wohl in nicht ganz so ferner Zukunft das Feld mehr und mehr den jüngeren Spielern überlassen müssen. Nicht nur in sportlicher Hinsicht ist der Brasilianer der legitime Nachfolger auf den geteilten Thron dieser beiden, sondern auch was die Vermarktung (z.B. Trikots, Fanartikel, etc) und den Prestigewert angeht, steht er ihnen in nichts nach. Gewissermaßen kann man den Transfer also als eine Art Wette auf die Zukunft betrachten, nichtsdestotrotz bleibt damit ungeklärt, ob die unglaubliche Höhe für diese angemessen ist. Um nochmal die sportliche Komponente zu betrachten, so sehen Experten und Buchmacher PSG nun im engeren Kreis um Europas Krone in der Champions League. Mit einer Quote von 7.50 laut Wettanbieter Betway ist man gleichauf mit dem Ex-Klub des Jungstars, liegt nur knapp hinter Bayern München und Real Madrid, während man viele andere Teams hinter sich lassen kann. Für keinen anderen Verein könnte dieser Wettbewerb einen solchen Stellenwert haben, denn die französische Ligue 1 gilt ohnehin als etwas schwächer, umso größer wäre die Aufwertung die ein Verein wie Paris durch einen möglichen Gewinn erfahren würde. Ob allein Neymar im Star-Ensemble der Franzosen für die verbesserten Chancen ausschlaggebend ist bleibt jedoch fraglich. Zu Beginn der Saison konnte er jedenfalls schon überzeugen.

Großer Kritikpunkt in der Debatte ist, dass das sogenannte Financial-Fairplay quasi ausgehebelt werden musste, um den Transfer möglich zu machen, allerdings führte man die Regelung damit gleichzeitig ad absurdum. Eigentlich wollte man hiermit die Parität zwischen den europäischen Klubs verbessern und Vereine zu mehr Nachhaltigkeit animieren, um die „Gesundheit“ des Fußballs auch langfristig zu garantieren. Es scheint als ob der Wunsch hier viel eher Vater des Gedankens ist, denn die Realität sieht wohl anders aus. Besonders Investoren wie im Falle PSG können hohe Summen in den Wirtschaftskreislauf des Fußballs pumpen und schrecken scheinbar nicht davor zurück, dafür notfalls rechtliche Tricksereien zur Anwendung zu bringen. Nicht nur wegen Neymar machte sich das diesen Sommer besonders deutlich. So hat die Premier League einen neuen Rekord in der Addition der Transfersummen aufgestellt und überschreitet mit 1,2 Milliarden Euro die Bestmarke aus dem Vorjahr. Die Aufwertung einzelner Spieler wird dabei sehr gut am Beispiel Marko Arnautovic sichtbar, der ehemals für 2,8 Mio. € Ablöse nach Stoke gewechselt war und nun innerhalb der Premier League für 22,3 Mio. € nach West Ham gezogen ist. Selbstverständlich spielt hier auch eine Verbesserung des individuellen Marktwerts hinein, trotzdem ist ein solcher (nahezu inflationärer) Anstieg, für einen Spieler der sich nicht in den oberen Sphären des Leistungsspektrums bewegt, durchaus alarmierend. Ein weiteres Beispiel ist Gonzalo Higuain. Higuain gehört im Vergleich zu Arnautovic zu den Top-Spielern Europas, jedoch wurde der Argentinier in diesem Sommer für 90 Mio. € von Neapel zu Juventus transferiert. Damit ist der Stürmer schlagartig in elitärer Gesellschaft, trotz all seiner Klasse scheint dieser Preis dennoch um einiges überhöht zu sein. Fairerweise ist jedoch festzuhalten, dass diese Preisspirale je nach Berechnung eventuell doch einer gewissen internen Logik folgen könnte. Dass die Summen für die Fans zunehmend absurder und schwieriger nachzuvollziehen sind, bleibt davon aber unberührt.

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